Keine Altersdiskriminierung bei Suche nach “Junior Consultant” oder “Berufseinsteiger”

Die Bezeichnungen „Junior Consultant“ und „Berufseinsteiger“ in einer Stellenanzeige stellen für sich allein keine Indizien für eine Altersdiskriminierung eines älteren Bewerbers dar, wenn dieser letztlich den Job nicht erhält. Gleiches gilt für „Young Professionals“.

Pikanterweise war die Stellenanzeige, welche zum Stein des Anstoßes für die Klage wurde, in einer juristischen Fachzeitschrift platziert. Eingestellt werden sollte ein „Junior Consultant“, gesucht wurde ausdrücklich nach Berufseinsteigern. Ein seit 1988 zugelassener Rechtsanwalt bewarb sich erfolglos um die Stelle. Nach der erfolgten Absage äußerte er gegenüber dem Arbeitgeber den Vorwurf, er sei aufgrund seines Lebensalters diskriminiert worden. Dies ergebe sich ja bereits aus der Stellenanzeige selbst, da in dieser die Begriffe „Junior Consultant“ und „Berufseinsteiger“ die Kandidatensuche einschränken würden. Vor diesem Hintergrund sei klar, dass er wegen seines fortgeschrittenen Alters die Stelle nicht bekommen habe. Daher forderte er mit seiner Klage Schadenersatz.

Indizien können zu Schadenersatzanspruch führen

Nach § 15 AGG kann sich ein Arbeitgeber schadensersatzpflichtig machen, wenn ein Stellenbewerber zwar geeignet ist, aber wegen eines AGG-Merkmals (Rasse, ethnische Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter oder sexuelle Identität) abgelehnt wird. Der Arbeitnehmer muss jedoch die für die Benachteiligung sprechenden Indizien beweisen. Auch die Formulierungen in einer Stellenanzeige kann dafür in Betracht kommen.

Auslegung der Begriffe notwendig

Das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg urteilte, dass der Begriff „Junior Consultant“ sich nur auf eine Hierarchieebene bezieht. Die Verwendung der Begriffe „Junior Consultant“ und „Berufseinsteiger“ würden entgegen der Auffassung des Klägers nicht darauf hindeuten, dass ausschließlich Arbeitnehmer jüngeren Lebensalters gesucht werden. Auch ein älterer Arbeitnehmer könne in Bezug auf die ausgeschriebene Stelle ein Berufseinsteiger sein. Sonstige Indizien, welche eine Benachteiligung wegen des Alters nahelegen würden, seien vom abgelehnten Rechtsanwalt nicht nachgewiesen worden. Folglich habe die Klage nur abgewiesen werden können.

Damit befindet sich das LAG Baden-Württemberg auf einer Linie mit dem LAG Nürnberg. Dieses hatte nur wenige Tage später in einem ähnlich gelagerten Fall entschieden (Urteil vom 27.11.2015, Az.: 3 Sa 99/15), dass die Suche nach einem „Young Professionell“ sich durchaus auch auf „ältere“ Arbeitnehmer beziehen würde.

Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 19.11.2015, Az.: 6 Sa 68/14

 

Sollten Sie Fragen zu diesem, einen anderen oder Ihrem Fall haben, so nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

LKS Rechtsanwälte, Frankfurt am Main

 

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Mrz, 29, 2016

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